Städtereisen24 August 2018

Kyōto - ein Ort zwischen Gegenwart und Vergangenheit

Kyōto ist wie ein Ort aus einer anderen Zeit. Tempel, Schreine, das pittoreske Gion… all das lockt Jahr für Jahr tausende von Touristen an. An manchen Orten wirkt Kyōto, als wäre die Zeit stehen geblieben. Im August reiste ich quer durch Honshu in die Kansai Region. Nach einigen Tagen in Osaka, legte ich einen kurzen Zwischenstop in Nara ein, bevor es mich schließlich nach Kyōto zog. In diesem Bericht versuche ich zu beschreiben, was mich dort begeistert und fasziniert.

Arashiyama

Arashiyama_Bamboo

Ich stehe im Bamboo Grove in Arashiyama. Am Morgen bin ich mit der Bahn vonŌsaka nach Arashiyama gereist – den berühmten Bambuswald wollte ich mir nicht entgehen lassen. Schon nach einer kurzen Strecke komme ich aus dem Staunen nicht mehr heraus. Der Bambus ragt mehrere Meter über meinem Kopf. Ein Meer aus grünen Zweigen. Die Sonnenstrahlen finden vereinzelt ihren Weg durch die Blätter. Riksha-Fahrer laufen an mir vorbei. Eine alte Zugsverbindung teilt den Wald in zwei Hälften. Trotz seines Bekanntheitsgrades, der sommerlichen Augusthitze und der vielen Touristen wirkt der Ort unberührt, beeindruckend und natürlich.

Gion – Eine Reise in die Vergangenheit

Gion

 

Nach meinem kurzen Aufenthalt in Arashiyama geht es für mich weiter in den Stadtkern Kyōtos. Mein Hostel befindet sich in Gion – dem „Geisha-Viertel“. Die vielen Izakayas, Fassaden, Brücken, kleinen Flüsse und Maiko-Schulen schaffen eine nostalgische Atmosphäre. Es ist, als wäre man geradezu in die Welt eines Geschichtsbuchs gesprungen! Bei einem Spaziergang durch die schmalen Gassen verliebe ich mich mehr und mehr in Kyōto. Die Straßen Gions sind nicht so voll. Es gibt keine große Sehenswürdigkeit, die alle Menschen anzieht. Hier befindet sich auch eine Nachbildung der Brücke aus „Die Geisha“, die Tatsumi Bridge. Sie ist nicht groß, aber der kleine Bach und die Brücke haben ihren eigenen Charme. Sie repräsentieren Gion in seiner Art perfekt. Die Fotos, die ich aufnahm könnten genauso gut viele Jahrzehnte älter sein, denn nichts deutet auf das Jahr 2018 hin.

Abends wird Gion lebendig. Viele Menschen bevorzugen das Viertel, um traditionelle japanische Küche zu genießen. Hin und wieder kann man auch einen Blick auf eine Geisha erhaschen, die durch die Gassen geht.

 

Nishiki Markt

Nishiki_Market

Der Nishiki Markt befindet sich in einem etwas moderneren Teil Kyōtos. Hier gibt es viele internationale Geschäfte und breitere Straßen. Der Markt selbst ist wie ein altes japanisches „Kaufhaus“. Ein Hauptgang mit vielen weiteren Abzweigungen unter einer Bedachung. Neben Kleidung und Kosmetik gibt es hier natürlich viele Leckereien, die man frisch oder bereits in zubereiteter Form kaufen kann.

Kiyomizu dera 

View_from_Kiyomizu_dera

Einer der schönsten und auch berühmtesten Tempel Japans ist der Kiyomizu-dera. Vor mehr als 1200 Jahren wurde er erbaut. Unzählige Bilder und Ansichtskarten zeigen den Tempel in den verschiedenen Jahreszeiten. Ob zur Kirschblütenzeit oder zwischen den goldenen Baumkronen im Herbst. Es ist so unrealistisch, auf einmal dort zu stehen, zu hören, wie der Wind die Glockenspiele zum klingen bringt und die strahlenden Farben des majestätischen Tempels mit den eigenen Augen zu sehen. Der Weg zum Kiyomizu Tempel führt einen kleinen Berg hinauf durch kleine Straßen mit vielen kleinen Souvenirshops. Von kitschigen Spielzeugen bis hin zu handgefertigtem Schmuck oder Geschirr kann man alles finden. Der Aufstieg lohnt sich, denn oben erwartet einen nicht nur der Tempel, sondern man hat einen schönen Blick über die Stadt.

Fushimi Inari Taisha – Ein Weg durch 1000 Tore

Fushimi_Inari

 

Sucht man im Internet nach Kyōto oder Japan selbst, wird man sehr schnell auf den Fushimi Inari Schrein mit seinen 1000 roten Toriis stoßen. Torii sind scharlachrote Eingangstore eines Schreins aus Holz oder Stein. Insbesondere am Fushimi Inari sind sie aufgrund ihrer Vielzahl sehr beeindruckend. Der Weg durch die Torii führt durch einen Wald, entlang verschiedener Shinto-Bauten. Ich besuche den Schrein zur Abenddämmerung in der Hoffnung, dass weniger Touristen dort sind. Ich merke schnell, dass viele diese Idee hatten. Nach anfänglichem Posen unter den Toriis verteilt sich die Masse jedoch und stellenweise fühlt man sich, als wäre man alleine dort. Überall sind Fuchsstatuen zu sehen, die als Boten der Gottheit Inari gelten. Zur Abenddämmerung wirkt der lange Weg durch die vielen roten Tore fast schon mystisch.

Nach zwei Tagen muss ich Kyōto schon wieder verlassen und es geht für mich mit dem Fernbus zurück nach Tōkyō. Als ich auf den Bus warte, werde ich wehmütig. Auch wenn mir Tōkyō fehlt, weiß ich, dass ich Kyōto vermissen werde und mir wird bewusst, dass ich irgendwann zurückkehren werde.

Die Busfahrt von Kyōto nach Tōkyō dauert etwa 8 Stunden und führt über den Highway entlang an Bergen und Wäldern. Dennoch bin ich froh, die mir bereits allzu bekannte Neon-Front wiederzusehen als ich in Shinjuku, Tōkyō, ankomme.

Möchtest du deine Gedanken teilen?

Deine E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Notwendige Felder sind durch * gekennzeichnet

* Please confirm you are a human! *

* Hello human! :) *