Festivals18 Mai 2019

Matsuri - Meine erste Shinto-Prozession

Im Mai hatte ich das Glück, traditionelle Shinto-Prozessionen hautnah miterleben zu können. Aber bevor ich von meinen eigenen Erlebnissen berichte, möchte ich eine kleine Einführung in das Thema geben.

Unter den japanischen Begriff matsuri fallen alle gemeinschaftlichen Feste Japans. Die meisten haben jedoch einen religiösen Bezug. Bei diesen religiösen Volksfesten steht in der Regel ein tragbarer Schrein (mikoshi) im Mittelpunkt. Dieser wird von Männern und Frauen mithilfe von Tragbalken auf den Schultern zu einem bestimmten Reiseort (tabisho) transportiert. Es wird angenommen, dass während des Vorgangs eine Gottheit (Kami) ihren Platz vorübergehend in dem mikoshi einnimmt. Wer mehr über die Hintergründe einer solchen Prozession erfahren möchte, dem kann ich die verlinkte Seite sehr ans Herz legen.

Omatsuri Priester

Nun aber zu meinen persönlichen Erlebnissen mit einer matsuri. An einem Samstag im Mai hörten meine Mitbewohnerin und ich abends lautes Trommeln direkt in der Gasse vor unserem Haus. Voller Neugier stürmten wir geradezu hinaus, um zu schauen, was es damit auf sich hatte. Uns erwarteten viele Menschen in traditioneller japanischer Kleidung, überwiegend in Jikatabi und Happi, die sangen und tanzten. Diese formierten sich nach ein paar Darbietungen schließlich zu einer Parade. Am Ende dieser tauchten schließlich viele Menschen auf, die einen Schrein, mikoshi, trugen. Ich war total fasziniert von der ausgelassenen Stimmung und der Lebensfreude, welche die Menschen versprühten.

Am nächsten Tag sahen wir in unserer Nachbarschaft bereits gegen Mittag Japaner und Japanerinnen mit ihren Kindern ausgelassen feiern. Über die Hauptstraße folgten wir auch einer Prozession, dieses Mal mit Priestern, die den mikoshi begleiteten. Obwohl ich das Spektakel schon am vorigen Tag beobachten durfte, war meine Spannung für matsuri noch nicht ausgeschöpft.

Gegen Abend schließlich, kündigte sich erneut ein Umzug direkt vor unserem Haus an. Auch dieses Mal entschieden wir uns, der Prozession beizuwohnen. Draußen angekommen, erwartete uns ein Trommelkonzert. Die Menschen aus unserer Nachbarschaft nahmen uns herzlich auf, freuten sich über unser Interesse an ihren Traditionen und bemühten sich, uns vollkommen einzubinden. Nach dem Trommelkonzert nahmen die Männer und Frauen den Schrein wieder auf die Schultern. Der Rest feuerte die Gruppe mit Rufen an und wir taten es ihm gleich. Zwischendurch stoppten wir einige Male und der Schrein wurde abgesetzt, da einige Lokale kleine Mahlzeiten und Getränke für uns vorbereitet hatten. Kurz vor Erreichen unseres Zielschreins schlug uns einer unserer Nachbarn vor, den Schrein mitzutragen! Ich dachte mir bereits, dass so ein mikoshi sehr schwer ist, jedoch hatte ich mit dem Gewicht nicht gerechnet. Dennoch ließen wir uns nicht unterkriegen und trugen den Schrein bis zum Ziel.

Im Sommer finden viele Shinto-Prozessionen in Japan statt. Die Freude und gute Laune, die dabei versprüht werden, sind sehr ansteckend. Eine matsuri ist zweifellos ein unvergleichliches Erlebnis.

Omatsuri Festwagen

 

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